Robert Kromm, 1984 in Schwerin geboren, ist Kapitän der Berlin Recycling Volleys und wurde 2016 zum deutschen Volleyballspieler des Jahres gewählt. Nach mehreren Stationen bei den großen italienischen Vereinen von Padua, Perugia und Verona kehrte er 2012 nach Berlin zurück. Die Berliner wurden zuletzt 2014, 2016, 2017 und auch 2018 Deutscher Meister sowie 2016 Europapokal und DVV-Pokalsieger. Aktuell treten Sie als Zweitplatzierte der Hauptrunde in den Bundesliga-Playoffs an.

Robert Kromm - Kapitän der Berlin Recycling VolleysBerlin Recycling (BR): Robert, du hast dir eine internationale Sportlerkarriere aufgebaut. Aber wie hast du denn zum Volleyball gefunden?

Robert Kromm (RK): Ich habe erst mit 14 Jahren angefangen, Volleyball im Verein zu spielen. Das ist relativ spät. Davor kannte ich den Sport aber schon von der Jugendgruppe der Schweriner Feuerwehr. Mich hat damals ein Freund zum Training mitgenommen und dann wurde entdeckt, dass ich einigermaßen Talent für Volleyball habe. Mit 16 bin ich dann zum VC Olympia Berlin gewechselt, das ist einer von drei deutschen Elitestützpunkten für den Sport. Von da ging es relativ schnell zu Bundesliga- und Nationalspielen. Das war dann das Sprungbrett für die Verpflichtung in Italien und Russland.

BR: Das Training war wahrscheinlich eine große Belastung. Wie trainiert man denn eigentlich für Volleyball?

RK: Das Training ist sicher abhängig von viel Fleiß und Disziplin. Also auch dann zu trainieren, wenn es mal nicht nur Spaß macht. Aber die Spiele haben für mich immer eine Faszination ausgeübt und das motiviert dann auch für das Training. Das Augenmerk liegt bei uns auf Schnell- und Sprungkraft. In unserem Team und dem unserer Gegner sind alle schon ziemlich groß, mit 1,85m gilt man schon als klein. Deswegen müssen wir trainieren, unsere Körpergröße gezielt auszuspielen. Und natürlich der Größe des gegnerischen Teams entgegen zu arbeiten.

Belin Recycling Volleys gegen Jastrzebski Wegiel
BR Volleys gegen Jastrzebski Wegiel

BR: Du bist jetzt 34 Jahre alt. Hast du schon einen Plan für die Zeit nach dem aktiven Spielerdasein?

RK: Da habe ich noch keine konkreten Pläne gemacht. Das typische Ausstiegsalter im Volleyball liegt bei 35 Jahren, danach machen irgendwann die Gelenke nicht mehr mit. Knie, Rücken, Schulter und Knöchel müssen ja große Belastungen aushalten. Ich habe IT-Systemkaufmann gelernt und freue mich darauf, nach der aktiven Zeit als Spieler zum ersten Mal einen Job mit regelmäßigen Arbeitszeiten zu haben. Dass ich dann auch einfach mal Urlaub machen und Zeit mit meiner Familie verbringen kann, wann ich möchte. Seit ich 16 bin, bestimmt die Saison meinen Jahresrhythmus.

BR: Wie steht es um den deutschen Volleyball?

RK: Im Vergleich zu Italien oder Russland ist Deutschland auf dem Gebiet Entwicklungsland. Besonders in Italien ist der Sport- und Lokalpatriotismus viel stärker. Da identifiziert sich die ganze Stadt mit ihren Sportteams.

Berlin Recycling Volleys gegen Spacer’s Toulouse
BR Volleys gegen Spacer’s Toulouse

BR: Und gibt es Ansätze, diesen Zustand in Deutschland zu verbessern?

RK: Ja, die BR Volleys arbeiten daran, ihre Jugendarbeit auszubauen. Es wird gerade das Personal an Jugendtrainern aufgestockt, um die Kinder schon früher an den Verein heranzuführen. Unsere Jugendmannschaft wird außerdem an die Arbeit der Erwachsenenteams herangeführt, zum Beispiel als Balljungen bei unseren Spielen. So habe ich in meiner Jugend auch angefangen. Aber es muss noch mehr werden. Wir müssen genauso wie die Fußballer oder Basketballer in die Schulen gehen. Das Sponsoring von Berlin Recycling hilft dabei natürlich schon sehr.

BR: Gibt es noch weitere Aktionen für die Jugend?

RK: Die Initiative „ZEICHEN SETZEN für den Nachwuchs“ von Berlin Recycling fördert jedes Jahr Sport-Talente und jugendliche Volleyballmannschaften. Letztes Jahr hatte mein Vorgänger Felix Fischer da die Schirmherrschaft. In dieser Saison wurden z.B. 1000 Teile, also Trikots und Hosen, an den Volleyball-Nachwuchs verteilt. Außerdem finanziert die Aktion ein Talente-Camp im Sommer.

1000 Teile Aktion der Berlin Recycling
Zeichen setzen: 500 Trikotsätze für junge Volleyball-Nachwuchsmannschaften

BR: Wie würdest du Volleyball einem Jugendlichen denn schmackhaft machen?

RK: Die Faszination am Volleyball kommt für mich daher, dass es technisch anspruchsvoll ist. Man braucht schon ein gewisses Alter, Koordinationsfähigkeit und Kraft, um den Ball überhaupt auf die andere Seite des Spielfelds zu bekommen. Außerdem ist es ein schneller Sport, bei dem es auf das perfekte Zusammenspiel des Teams ankommt. Die Bewegungen, zum Beispiel beim Schmettern, finde ich sehr elegant. Das sieht einfach schöner aus als Fußball.

ZEICHEN SETZEN für den Nachwuchs!
ZEICHEN SETZEN für den Nachwuchs!

BR: Hast du noch ein großes Lebensziel?

RK: Nein, eigentlich nicht. Ich nehme alles, wie es kommt. Für mich wird der nächste große Schritt erstmal der Übergang in einen normalen beruflichen Alltag sein, und das Familienleben. Meine Frau und ich erwarten das zweite Kind. Darauf freue ich mich sehr.

BR: Robert, vielen Dank für das Interview. Wir wünschen noch viel Erfolg für die laufende Saison!

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Bildnachweise

© BR Volleys gegen Jastrzebski Wegiel: Eckhard Herfet / www.foto-herfet.de

© BR Volleys gegen Spacer’s Toulouse: Eckhard Herfet / www.foto-herfet.de

© Aktion "ZEICHEN SETZEN für den Nachwuchs!" (Einzelbild und Collage): Sebastian Wells