Am 1. Januar 2019 ist in Deutschland das neue Verpackungsgesetz (VerpackG) in Kraft getreten. Das Verpackungsgesetz, dessen vollständiger Name „Gesetz zur Fortentwicklung der haushaltsnahen Getrennterfassung von wertstoffhaltigen Abfällen“ lautet, umfasst stolze 28 Seiten. Wir haben deshalb zusammengefasst, was das Verpackungsgesetz beinhaltet, was Hersteller und Händler beachten müssen und wie das Zwischenfazit nach einem Jahr seit Inkrafttreten lautet.

1 Allgemeinen Informationen zum neuen Verpackungsgesetz (VerpackG)

1.1 Warum wurde das VerpackG eingeführt?
1.2 Was ist die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR)?
1.3 Welche Verpackungen sind laut VerpackG systembeteiligungspflichtig?
1.4 Welche neuen Recyclingquoten gelten mit dem VerpackG?
1.5 Welche Hersteller und Händler sind vom VerpackG betroffen?
1.6 Welche Ausnahme regelt die „Branchenlösung“?

2 Die drei Pflichten für Hersteller und Händler

2.1 Wie funktioniert die Registrierung bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR)?
2.2 Was besagt die Beteiligungspflicht?
2.3 Was hat es mit der Datenmeldepflicht auf sich?

3 Zwischenfazit: Was hat das neue Verpackungsgesetz bislang gebracht?

3.1 Wie viele Hersteller und Händler haben sich bei der ZSVR registriert?
3.2 Was passiert, wenn sich Unternehmen nicht oder unvollständig registrieren?
3.3 Welche Erfahrungen haben Hersteller bei der Registrierung gemacht?
3.4 Gibt es seit Einführung der erhöhten Quotenvorgaben merkbare Verbesserungen?


1 Allgemeinen Informationen zum neuen Verpackungsgesetz

1.1 Warum wurde das VerpackG eingeführt?

Verpackungsgesetz 2019Mangelnde Beteiligung führte zu großen Einbußen

Im Zeitraum von 1991 bis zur Einführung des Verpackungsgesetzes am 1. Januar 2019 gab es in Deutschland die sogenannte Verpackungsverordnung (VerpackV), durch die Verpackungsabfälle vermieden und der Wegwerfgesellschaft entgegengewirkt werden sollte. Mit der VerpackV sollten Hersteller und Händler erstmals Verantwortung für die von ihnen in den Verkehr gebrachten Verpackungen übernehmen und zur Rücknahme ihrer Produkte verpflichtet werden.

Für die Verpackungsrücknahme – sprich das Sammeln und Sortieren – wurden die Dualen Systeme eingeführt.

Ein großes Problem war die Beteiligungsquote der Hersteller und Erstinverkehrbringer, die sich ihrer Verantwortung entzogen haben und für ihre Verpackungen keine Lizenzgebühren bezahlt haben. Die Gründe reichen von Nachlässigkeit über Unkenntnis bis hin zur Kostenersparnis. Vor allem kleinere Unternehmen wussten bis zur Einführung des neuen Verpackungsgesetzes nicht von ihrer Beteiligungspflicht.

Durch die mangelnde Beteiligung ist dem Dualen System in der Vergangenheit ein jährlicher Schaden zwischen 200 und 500 Millionen Euro entstanden.

Das neue Verpackungsgesetz verfolgt daher drei Hauptziele:

  1. Mit der neuen Behörde, der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR), soll das Duale System besser vollzogen und kontrolliert werden.
  2. Hersteller und Händler sollen dazu angehalten werden, ökologisch vorteilhaftere und recyclingfähigere Verpackungen zu verwenden.
  3. Die Recyclingquote der aus privaten Haushalten entstehenden Abfälle soll sich erhöhen.  

Warum fällt gerade in Deutschland so viel Müll an?

Die Deutschen produzieren jede Menge Müll: Pro Jahr und Person fallen hier registrierte 617 kg Müll an – 163 kg mehr als im EU-Durchschnitt. Unter den 28 Staaten der Europäischen Union kämpfen bloß die Dänen, die Luxemburger und die Zyprioten mit noch größeren Müllmengen. Eine Ursache ist sicher der verhältnismäßig große Wohlstand, der zu einem höheren Konsum führt. Eine weitere Rolle spielt gewiss die deutsche Gründlichkeit, die sich auch im Umfang der Um- und Mehrfachverpackungen niederschlägt. Drittens ist es unser Konsumverhalten, das die Müllberge vergrößert: Im Süden Europas werden viel mehr frische Produkte auf Märkten eingekauft, Obst direkt in das Einkaufsnetz oder bloß in eine Papiertüte verpackt. Allein ein Drittel des pro Person in Deutschland anfallenden Mülls ist Verpackungsmüll: 220 kg. Im EU-Durchschnitt gerade einmal 167 kg. Die Deutschen setzen bislang noch zu wenig auf Mehrweg, nachwachsende Rohstoffe, auf Umwelt- und Ressourcenschonung.

1.2 Was ist die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR)?

Verpackungen beim ZSV anmeldenVor Einführung des Verpackungsgesetzes oblag den Umweltministerien der Länder die Kontrolle der gesetzlich vorgeschriebenen Recyclingquoten. Mit der Durchführung des neuen Gesetzes wurde aber die neugegründete Stiftung „Zentrale Stelle Verpackungsregister“ (ZSVR) betraut.

Aufgaben der ZSVR:

Für die Hersteller und Händler von Verpackungen hat sich mit dem neuen Verpackungsgesetz der erste Ansprechpartner geändert: Statt der IHKs und der einzelnen dualen Systeme ist nun die ZVSR mit Sitz in Osnabrück erste Anlaufstelle für Fragen, Meldungen und verbindliche Erklärungen. Die Stiftung hat den Status einer Behörde und untersteht dem Umweltbundesamt.

Die ZSVR ist befugt, zu kontrollieren, ob Händler oder Hersteller den Umfang ihrer Verpackungen korrekt und regelkonform über das Melderegister LUCID angemeldet haben. Ist das nicht der Fall, so kann die Zentrale Stelle Verpackungsregister entsprechende Verstöße zur Anzeige bringen, die mit Bußgeldern von bis zu 200.000 Euro geahndet werden.

Außerdem zählt zu den Aufgaben der Stiftung, die Marktanteile der dualen Systeme und der Branchenlösungen zu berechnen, Mindeststandards für die Recyclingfähigkeit von Verpackungen zu entwickeln, Datenmeldungen auf ihre Richtigkeit zu prüfen und die Berichte der dualen Systeme auf ihre Plausibilität hin zu überprüfen.

1.3 Welche Verpackungen sind laut VerpackG systembeteiligungspflichtig?

Das Gesetz definiert die sogenannten „systembeteiligungspflichtigen Verpackungen“, d.h. mit Ware befüllte Verpackungen, die nach Gebrauch typischerweise beim privaten Endverbraucher als Abfall anfallen. Hierzu zählen nach Verpackungsgesetz künftig neben Verkaufsverpackungen auch Umverpackungen.

Verkauf-, Service-, Versand-, Um- und Transportverpackungen: Was ist was?

Verkaufsverpackungen:
Als Verkaufsverpackungen zählen Verpackungen, die den privaten Endverbrauchern mit Ware befüllt angeboten werden. Verkaufsverpackungen sollen die Waren schützen und sie haben darüber hinaus meist auch eine werbliche Funktion, um Marketingbotschaften textlich und visuell zu übermitteln.

Serviceverpackungen und Versandverpackungen sind auch Verkaufsverpackungen.

ServiceverpackungServiceverpackung:

  • Verpackungen, die erst beim Letztvertreiber mit Ware befüllt und dann an den privaten Endverbraucher übergeben werden, sind sogenannte Serviceverpackungen. Hierzu gehören zum Beispiel:
  • Brötchentüten beim Bäcker
  • Trennblätter beim Fleischer
  • Automatenbecher
  • Menü- und Snackboxen wie Lunchboxen oder Pizzaschachteln
  • Blumenpapier und -folien beim Floristen
  • Coffee-to-go-Becher

Besonderheit bei den Serviceverpackungen: Sie können als Händler auch von einem Vorvertreiber oder Hersteller eine Systembeteiligung der unbefüllten Serviceverpackungen verlangen. In diesem Fall trifft Sie als Händler für die entsprechende Serviceverpackung keine weitere Systembeteiligungspflicht. Sie müssen jedoch sicherstellen, dass der Vorvertreiber/ Hersteller eine entsprechende Lizenz erlangt hat. Dafür kann zum Beispiel der Vorvertreiber/ Hersteller einen entsprechenden Vermerk auf der Rechnung oder dem Lieferschein notieren.

Versandverpackungen:
Verpackungen, die die Versendung von Waren an den privaten Endverbraucher ermöglichen und unterstützen, werden Versandverpackung genannt. Ob eine Verpackung eine Versand- oder Serviceverpackung ist, hängt nur in der Art und Weise der Weitergabe an den Endverbraucher ab (Serviceverpackungen werden an den Endverbraucher übergeben, Versandverpackungen werden an den Endverbraucher - z.B. durch DHL, UPS oder Hermes - versandt).

Zu den Versandverpackungen gehören außerdem jegliche Füllmaterialien, darunter z.B. Luftpolsterkissen oder Styropor.

Umverpackungen:
Eine Umverpackung umschließt eine oder mehrere Verkaufsverpackungen (z.B. Pappkarton, in dem mehrere Joghurtbecher gestapelt sind oder ein Pappträger für mehrere Flaschen). Umverpackungen werden entweder dem Endverbraucher angeboten oder dienen im Handel der Bestückung der Verkaufsregale.

VerpackungenTransportverpackung:
Verpackungen, die beim Transport oder bei der Lagerung von Waren anfallen, die aber im Handel verbleiben und nicht zur Weitergabe an den privaten Endverbraucher bestimmt sind, werden als Transportverpackung klassifiziert. Dazu gehören beispielsweise:

  • Kartons
  • Verpackungschips
  • Stretchfolie
  • Big Bags
  • Warensicherungen wie Paletten, Antirutschpapiere und Klebebänder

Solange wie eine Transportverpackung nicht beim Endverbraucher anfällt, ist sie nicht systembeteiligungspflichtig. Hersteller und Vertreiber von Transportverpackungen sind hingegen laut Verpackungsgesetz zur Rücknahme und Verwertung verpflichtet.

1.4 Welche neuen Recyclingquoten gelten mit dem VerpackG?

Die Recyclingquoten, die 1991 in der Verpackungsordnung festgelegt und nicht verändert wurden, entsprachen nicht länger den modernen Möglichkeiten zur Wiederverwertung. Aus diesem Grund wurden die Prozentsätze mit Einführung des neuen Verpackungsgesetzes erhöht. Ab 2022 ist laut VerpackG eine weitere Erhöhung der Prozentsätze festgelegt.

 

 
Wertstoff Pflichtanteil vor 01.01.2019 Pflichtanteil seit 01.01.2019 Pflichtanteil ab 01.01.2022
Glas 75% 80% 90%
Pappe und Papier 70% 85% 90%
Eisenmetalle 70% 80% 90%
Aluminium 60% 80% 90%
Getränkekartons 60% 75% 80%
Kunststoffe (werkstoffliche Verwertung) 36% 58,5% 63%
Sonstige Verbundverpackungen 60% 55% 70%

 

1.5 Welche Hersteller und Händler sind vom VerpackG betroffen?

Hiesige Produzenten von Verpackungen sind prinzipiell ebenso zur Mitwirkung verpflichtet wie international agierende Online-Shops oder Importeure verpackter Ware. Denn als „Hersteller“ im Sinne des Gesetzes gelten alle Unternehmen, deren
mit Waren befüllte Verpackungen bei privaten Haushalten oder diesen gleichgestellten Anfallstellen (kurz: privater Endverbraucher) als Abfall anfallen. Der Endverbraucher bezeichnet dabei nicht nur den privaten Kunden, sondern umfasst auch Kioske, Gastronomie, Behörden oder vergleichbare Einrichtungen.

1.6 Welche Ausnahme regelt die „Branchenlösung“?

Die branchenbezogenen Lösungen sind nur möglich, wenn ein Hersteller oder Träger mit der Zentralen Stelle Verpackungsregister eine Vereinbarung abgeschlossen hat. Voraussetzung ist immer der lückenlose Nachweis, dass die vom Hersteller in Verkehr gebrachten Verkaufsverpackungen an den Stellen, wo sie als Müll anfallen („Anfallstellen“), in nachprüfbarer Weise angeliefert und vom Hersteller (oder einem Zwischenhändler) wieder zurückgenommen und auch verwertet werden. Für die Umsetzung dieser alternativen Erfüllung der Rücknahmepflicht an gleichgestellten Anfallstellen hat sich die Bezeichnung „Branchenlösung“ etabliert. Die Beteiligung an einem der dualen Systeme ist der gesetzliche Regelfall. Die sogenannte Branchenlösung betrifft deshalb nur einen sehr kleinen Teil der Hersteller und ist an strikte Kriterien und Konzepte geknüpft.

2 Die drei Pflichten für Hersteller und Händler

2.1 Wie funktioniert die Registrierung bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR)?

Online-HandelJeder Hersteller und Händler eines verpackten Produktes, das an einen Endverbraucher gelangt, unterliegt der Registrierungspflicht bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister.

Das heißt: Als Hersteller und Erstinverkehrbringer müssen Sie sich VOR dem Verkauf/ Vertrieb verpackter Waren in Deutschland selbst im Melderegister LUCID bei der ZSVR eintragen. Ein Verkauf, Vertrieb oder Import von Waren ohne eine gültige Registrierung mit entsprechender Registrierungsnummer ist nicht zulässig.

Nach Ihrer Erstregistrierung erhalten Sie vom ZSVR per E-Mail Ihre Registrierungsnummer, die Sie im Anschluss bei Ihrem dualen System hinterlegen müssen. Beim Melderegister LUCID müssen Sie wiederum den Namen Ihres dualen Systems eintragen. Nur so kann die ZSVR als Kontrollbehörde die ordnungsgemäße Anmeldung der Verpackungen sicherstellen.

Erstmalige Registrierung: Wer meldet an? Was wird gemeldet? Was bedeutet „Vollständigkeitserklärung“?

Registrierung für VerpackungsgesetzDie erstmalige Registrierung im Verpackungsregister LUCID kann nur durch legitimierte gesetzliche Vertreter (Vorstand, Geschäftsführer, Prokurist etc.) erfolgen. Die Anmeldung und Registrierung erfolgen kostenlos. Mitteilungspflichtig sind folgende Daten:

  • der Name und die Anschrift des Herstellers
  • die europäische oder nationale Steuernummer (UST-ID)
  • der Markenname, unter dem die Verpackungen in Verkehr gebracht werden
  • vollständige Kontaktdaten des Herstellers (Telefon, Telefax, E-Mail-Adresse)
  • der Name und die Funktion der vertretungsberechtigten natürlichen Person
  • die nationale Kennnummer (sofern vorhanden Handelsregister-Nr., alternativ die Gewerbeschein-Nr.)
  • eine Erklärung über die Systembeteiligung bzw. über eine Teilnahme an einer sog. Branchenlösung
  • die Versicherung, dass die Angaben der Wahrheit entsprechen

Die Hersteller relevanter Verpackungen sind außerdem verpflichtet, jährlich bis zum 15. Mai sämtliche von ihnen im vorangegangenen Kalenderjahr erstmals in Verkehr gebrachten Verkaufs- und Umverpackungen verbindlich zu deklarieren. Die Erklärung hat konkret über Mengen und Materialien der in Verkehr gebrachten Verpackungen zu berichten. Diese sogenannte Vollständigkeitserklärung dient der Berechnung der Kosten. Sie entfällt, wenn der Hersteller mit seinen systembeteiligungspflichtigen Verpackungen bestimmte Mengenschwellen im Kalenderjahr nicht überschritten hat. Dies sind bei

  • Glas: 80 Tonnen
  • Papier/ Pappe/ Karton: 50 Tonnen
  • Leichtstoffverpackungen: 30 Tonnen

Diese Schwellen scheinen hoch, relativieren sich aber etwas im Vergleich zum gesamten Verpackungsmüllaufkommen in Deutschland. Werfen wir einmal einen Blick auf den im Jahr 2015 in Deutschland registrierten Hausmüll, nach Angaben des Umweltbundesamtes belief sich die Gesamtmenge auf 45,9 Mio. Tonnen. Davon waren

  • 30,8% Restmüll,
  • 17,6% Pappe, Papier, Kartonagen,
  • 13% Leichtverpackungen / Kunststoffe,
  • 12,6% Gartenabfälle (organisch),
  • 9,2% Abfälle aus der Biotonne,
  • 5,6% Glas,
  • 5,4% Sperrmüll,
  • 4,5% Verbundstoffe, Metalle und
  • 1,3% Elektrogeräte.

2.2 Was besagt die Beteiligungspflicht?

Meldepflicht VerpackGAls Hersteller oder Händler von systembeteiligungspflichtigen Verpackungen unterliegen Sie auch der entsprechenden Systembeteiligungspflicht.
Das bedeutet: Bringt Ihr Unternehmen Verkaufs- und/ oder Umlaufverpackungen in den Verkehr, die bei privaten Endverbrauchern als Abfall anfallen, so müssen Sie Ihre Verpackungen VORHER bei einem dualen System lizensieren und einen entsprechenden Entsorgungsvertrag abschließen. Das Lizenzentgelt, das für die Sammlung, Sortierung und Verwertung Ihrer Verpackungen fällig wird, orientiert sich dabei an der Menge und dem Verpackungsmaterial.

Aktuell stehen Ihnen neun Systembetreiber zur Auswahl:

  • BellandVision GmbH
  • Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH
  • INTERSEROH Dienstleistungs GmbH
  • Landbell AG
  • NOVENTIZ Dual GmbH
  • PreZero Dual GmbH
  • Reclay Systems GmbH
  • Veolia Umweltservice Dual GmbH
  • ZENTEK GmbH & Co. KG

Wichtig: Denken Sie daran, dass Sie Ihre LUCID-Registrierungsnummer auch bei Ihrem dualen System angeben müssen. Andernfalls liegt ein Verstoß gegen das Verpackungsgesetz vor.

Jetzt für unseren Impulsgeber anmelden

2.3 Was hat es mit der Datenmeldepflicht auf sich?

Ziel der Datenmeldepflicht ist es, dass Ihre Angaben im LUCID-Melderegister der ZSVR zu jeder Zeit mit den Angaben bei Ihrem dualen System übereinstimmen. Ist das nicht der Fall, so kann das ZSVR entsprechende Verstöße geltend machen. Im Rahmen der Datenmeldepflicht können Geldbußen von bis zu 10.000 € fällig werden – achten Sie deshalb auf die richtige Einhaltung der Datenmeldepflicht:

  • Vollständige Registrierung beim LUCID-Melderegister: Wenn Sie Ihre Verpackungen bei einem dualen System lizensiert haben, dann müssen Sie die lizensierten Verpackungsmengen auch im LUCID-Melderegister bei der ZSVR übertragen.
  • Anpassung von Verpackungsmengen: Gibt es Änderungen an Ihren Verpackungsmengen (z.B. korrigierte Mengenangaben wegen einer Absatzschwankung), dann müssen Sie die geänderten Verpackungsmengen auch bei LUCID übertragen.
  • Jahresabschluss-Mengenmeldung: Die Jahresabschluss-Mengenmeldung spiegelt die tatsächlich in Umlauf gebrachten Verpackungsmengen für das Vorjahr wider (denn: bei der Lizensierung bei einem dualen System müssen Sie zunächst Schätzwerte im Voraus angeben). Die Jahresabschlussmeldung (IST-Meldung) müssen Sie auf LUCID übertragen.
  • Sonstige Änderungen: Gibt es Änderungen bei Ihren allgemeinen Unternehmensangaben (z.B. Anschrift), dann müssen Sie diese bei LUCID und Ihrem dualen System angeben.


Abbildung: Die drei Pflichten für Hersteller und Händler im Zuge des Verpackungsgesetzes:

 

Infografik Ablauf Verpackungsgesetz
Quelle: Grüner Punkt

3 Zwischenfazit: Was hat das neue Verpackungsgesetz bislang gebracht?

Seit Einführung des neuen Verpackungsgesetzes am 1. Januar 2019 ist – zum Zeitpunkt der Aktualisierung und Veröffentlichung dieses Artikels – knapp mehr als ein Jahr vergangen. Ein guter Moment, um ein erstes Zwischenfazit zu ziehen:

Registrierung bei der ZSVR3.1 Wie viele Hersteller und Händler haben sich bei der ZSVR registriert?

Innerhalb des ersten Jahres haben sich nach Angaben der ZSVR mehr als 174.000 Unternehmen im LUCID-Melderegister angemeldet – eine Verdreifachung der Unternehmen seit Ende 2018.
Der Grad der Selbstbeteiligungen sei insbesondere bei den Verpackungsmaterialien Papier/ Pappe/ Karton (PPK) und Glas deutlich gestiegen. Die Anmeldung und Lizensierung von Leichtstoffverpackungen sei hingegen noch nicht befriedigend.
Obwohl die Verdreifachung der registrierten Unternehmen seit Einführung des VerpackG eine große Steigerung ist, seien es bislang schätzungsweise nur die Hälfte der meldepflichtigen Unternehmen.

3.2 Was passiert, wenn sich Unternehmen nicht oder unvollständig registrieren?

Aufgrund einer Vielzahl an fehlerhaften Registrierungen und Datenmeldungen hat die ZSVR im Juli 2019 ein „Warn-Mailing“ verschickt. In der E-Mail wurden die betroffenen Hersteller und Händler um unverzügliches Nachholen bzw. Nachtragen gebeten. Kommt ein Unternehmen einer durch das ZSVR ausgesprochenen Verwarnung nicht entgegen, so drohen Bußgelder von bis zu 200.000 Euro oder sogar ein Vertriebsverbot.

Seit Einführung des VerpackG und dem LUCID-Melderegister hat die ZSVR ca. 2.000 Ordnungswidrigkeiten festgestellt. Dazu gehören – neben der Nicht-Registrierung – die unvollständige Nachtragung von SOLL- und IST-Mengen sowie fehlende vertragliche Vereinbarungen mit einem dualen System.

Achtung: Da das LUCID-Melderegister öffentlich einsehbar ist, können auch Ihre Konkurrenten eine fehlende oder unvollständige Registrierung einsehen und melden!

3.3 Welche Erfahrungen haben Hersteller bei der Registrierung gemacht?

Laut Angaben von IHKs und Händlerbündnissen nannten Hersteller und Händler insbesondere die Erfassung der Verpackungsmengen als problematisch. Einerseits sei die Einschätzung, wie viele Verpackungen innerhalb eines Jahres in Umlauf gebracht werden, sehr zeitaufwendig. Andererseits überfordere die Klassifizierung der systembeteiligungspflichtigen Verpackungen vor allem viele kleine Hersteller und Händler.

Die ZSVR hat angegeben, dass sie seit Einführung knapp 60.000 Anfragen von Unternehmen beantwortet hat.

Um Rechtsklarheit zu den Pflichten für Verpackungsmaterialien herzustellen, hat die ZSVR 2019 einen „Katalog der systembeteiligungspflichtigen Verpackungen“ herausgebracht. Der Katalog konkretisiert die Systembeteiligungspflicht von Verpackungen, sodass Sie als Hersteller Ihre Verpflichtungen schneller einsehen können.

Recyclingquoten erhöhen3.4 Gibt es seit Einführung der erhöhten Quotenvorgaben merkbare Verbesserungen?

Aktuell liegen zu den Recyclingquoten noch keine neuen Daten vor. Viele Experten bemängeln jedoch, dass Plastikverpackungen nach wie vor zu billig sind und noch zu häufig in den Umlauf gebracht werden.

Positiv zu erwähnen ist jedoch, dass das neue Verpackungsgesetz den Recyclingdruck erhöht hat. Hierfür wurden im September 2019 unterstützend die fortentwickelten „Mindeststandards zur Bemessung der Recyclingfähigkeit von Verpackungen“ veröffentlicht. Handelsunternehmen verlangen von ihren Verpackungslieferanten, dass die gelieferten Verpackungen den Anforderungen an die Mindeststandards vollumfänglich entsprechen. Außerdem werden Hersteller dadurch gezwungen, nach neuen, verpackungsärmeren Alternativen Ausschau zu halten.

Was halten Sie vom neuen Verpackungsgesetz? Sind Sie Hersteller oder Händler und haben noch offene Fragen? Dann freuen wir uns auf Ihre Kommentare unter diesem Beitrag!

 

Bildnachweise

© Vorschau- und Headerbild: didecs / stock.adobe.com

© Einkaufswagen und Gesetzeshammer: gerasimov174 / stock.adobe.com

© Pakete auf Tastatur: Scanrail / stock.adobe.com

© Fleischer Trennblatt: contrastwerkstatt / stock.adobe.com

© Pakete auf Rollband: Cybrain / stock.adobe.com

© Laptop und Pakete: My Life Graphic / shutterstock.com

© Tablet Registrierung: Rawpixel.com / stock.adobe.com

© Miniatur-Papiermülltonne: beeboys / stock.adobe.com

© Infografik Ablauf Registrierung für Verpackungsgesetz: Grüner Punkt

© Recyclingsymbol auf Hand: carballo / stock.adobe.com

© Händlerin: Iakov Filimonov / shutterstock.com

© Recyclingsymbol: grigorylugovoy / stock.adobe.com