BlogPfandsysteme im Überblick

Vom Bierkasten bis RECUP – Pfandsysteme im Überblick 

08. Juli 2026

Deutschland gilt weltweit als Vorreiter in Sachen Pfand und Mehrweg. Ob die klassische Bierflasche, die PET-Flasche aus dem Supermarkt oder der Coffee-to-go-Becher vom Bäcker – hinter jedem Pfandsystem steckt eine eigene Logik. In diesem Beitrag beleuchten wir die verschiedenen Pfandmodelle, erklären ihre Besonderheiten und werfen einen Blick auf aktuelle Trends.  

Einweg vs. Mehrweg

Pfandsysteme in Deutschland basieren grundsätzlich auf zwei Modellen: Einweg und Mehrweg. Einwegverpackungen werden nach einmaligem Gebrauch recycelt; PET‑ oder Aluminiumbehälter werden zerkleinert und zu neuem Material verarbeitet.

Mehrwegverpackungen bleiben dagegen im Umlauf: Sie werden zurückgegeben, gereinigt, neu befüllt und erneut verkauft. Durch die vielfache Nutzung bietet Mehrweg deutliche ökologische Vorteile, etwa geringeren Energie- und Rohstoffverbrauch sowie weniger Abfall.

Die wichtigsten Pfandsysteme in Deutschland 

Einwegpfand (25 Cent) 

Seit 2003 gilt in Deutschland das Einwegpfand – umgangssprachlich auch „Dosenpfand" genannt.

Es betrifft: 

  • PET-Einwegflaschen (Wasser, Softdrinks, Bier) 
  • Getränkedosen aus Aluminium oder Weißblech 
  • Einweg-Glasflaschen für bestimmte Getränke 

Das System funktioniert herstellerübergreifend: Egal wo man kauft, die Rückgabe ist an jedem Automaten möglich, der das entsprechende Material annimmt. Die Flaschen tragen das DPG-Logo (Deutsche Pfandsystem GmbH). Ausnahmen bestehen für bestimmte Fruchtsäfte, Milchprodukte und Wein – hier fällt meist kein Einwegpfand an. 

👉 Mehr Informationen zum DPG Einwegpfand- und Wertstoffkreislauf erhalten Sie im Video der DPG

Mehrwegpfand (8–15 Cent) 

Das klassische Mehrwegsystem existiert in Deutschland seit Jahrzehnten und umfasst: 

  • Bierflaschen (meist 8 Cent) 
  • Wasser- und Saftflaschen aus Glas oder PET (meist 15 Cent) 
  • Joghurtgläser einiger Hersteller 

Anders als beim Einwegpfand sind Mehrwegflaschen oft an bestimmte Händler oder Marken gebunden, nicht jede Flasche wird überall zurückgenommen. 

Bierkasten- und Getränkekistenpfand 

Zusätzlich zum Flaschenpfand gibt es Pfand auf die Transportkisten selbst: 

Kistentyp

Bierkasten (20er)

Bierkasten (24er) 

Wasserkiste

6er-Träger (Plastik) 

Pfandbetrag 

1,50 € 

1,50 €

1,50 €

1,50 €

Das Kistenpfand soll sicherstellen, dass auch die Transportbehälter in den Kreislauf zurückkehren

Das Poolflaschen-System

Eine Besonderheit im Mehrwegbereich sind Poolflaschen, bei denen es sich um standardisierte Flaschen handelt, die von verschiedenen Herstellern gemeinsam genutzt werden. Das bekannteste Beispiel ist die braune 0,5-Liter-Bierflasche (NRW-Flasche) oder die Perlenflasche für Mineralwasser. 

Der Vorteil: Die Flaschen müssen nicht zum Originalhersteller zurück, sondern können von jeder teilnehmenden Brauerei oder Abfüllanlage wiederverwendet werden. Das spart Transportwege und macht das System effizienter.

Pfand auf To-go-Becher und Essensboxen

Seit der Einführung der Mehrwegangebotspflicht 2023 müssen Gastronomiebetriebe ab einer bestimmten Größe Mehrwegalternativen für Essen und Getränke zum Mitnehmen anbieten. Daraus sind verschiedene Systeme entstanden: 

  • RECUP/REBOWL: Bundesweit verbreitetes Mehrwegsystem für To‑go‑Becher und Essensbehälter mit zahlreichen Ausgabestellen. 
  • Vytal: Pfandfreies Mehrwegsystem mit App-Registrierung. Rückgabe innerhalb von 14 Tagen, sonst wird die Box berechnet. 
  • Lokale Systeme: Viele Städte und Regionen setzen auf eigene Lösungen – in Hannover etwa sorgt der wiederverwendbare Becher „Hannoccino“ dafür, dass weniger Einwegverpackungen im Umlauf sind. 

Diese Systeme funktionieren ähnlich wie das klassische Flaschenpfand, erfordern aber oft eine App oder Registrierung.

👉 Weitere Beispiele, wie Gastronomiebetriebe Nachhaltigkeit kreativ umsetzen, zeigen wir in unserem Beitrag „11 Best Practice Beispiele für Nachhaltigkeit in der Gastronomie“.

Sonderregelungen und spezielle Pfandarten

Darüber hinaus existieren besondere Pfandmodelle, die über klassische Getränkeverpackungen hinausgehen. Gasflaschen für Camping oder Grillgeräte werden beispielsweise ebenfalls im Pfandsystem ausgegeben, meist mit Beträgen zwischen 25 und 30 Euro. Auch im B2B‑Bereich gibt es vergleichbare Strukturen: Europaletten werden entweder direkt getauscht oder gegen einen Pfandschein ausgegeben, der bei Rückgabe verrechnet wird. 

Zudem sind manche Getränke trotz identisch aussehender Flaschen pfandfrei, etwa bestimmte Smoothies oder Säfte – ein Ergebnis der komplexen Ausnahmeregelungen im Verpackungsgesetz.

Die Pfandlandschaft entwickelt sich weiter. Einige Trends zeichnen sich ab:

Digitale Pfandlösungen wie Vytal oder das System von RECUP arbeiten mit App-Tracking statt physischem Pfandbon. Das ermöglicht bessere Statistiken, flexiblere Rückgabe und weniger Bargeld-Handling. Erste Pilotprojekte testen sogar digitale Pfandsysteme für klassische Getränkeflaschen.

Die Mehrwegpflicht wird in den kommenden Jahren deutlich ausgeweitet, da die EU ambitionierte Quoten vorgibt. Bis 2030 sollen deutlich mehr Verpackungen wiederverwendbar oder nachfüllbar sein, wie es die EU‑Verpackungsverordnung vorsieht. Diese Vorgaben erhöhen den Bedarf an praktikablen Rückgabe‑ und Wiederverwendungssystemen – auch in Bereichen wie Kosmetik‑, Reinigungs‑ oder Lebensmittelverpackungen.

Bei den To‑go‑Mehrwegsystemen lässt sich eine Entwicklung hin zu stärker etablierten, flächendeckenden Modellen erkennen. Die bisherige Vielfalt kleiner Anbieter verliert aufgrund der Konsolidierung an Bedeutung.

Innovationen bei der Rückgabe entwickeln sich ebenfalls weiter: Moderne Reverse‑Vending‑Automaten erkennen bereits per Kamera unterschiedliche Verpackungstypen, und erste Pilotprojekte testen Rückgaben ohne Scannen, die ausschließlich über eine App gesteuert werden.

Fazit

Mehrweg bleibt der zentrale Baustein einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Jede zurückgegebene Mehrwegflasche verlängert den Nutzungszyklus und reduziert den Bedarf an neuen Rohstoffen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist die Kennzeichnung auf dem Etikett daher ein wichtiger Orientierungspunkt: Mehrweg bietet in den meisten Fällen die bessere Umweltbilanz.

Wenn Verpackungen nicht im Mehrwegkreislauf geführt werden können, entscheidet die richtige Sammlung über ihre weitere Verwertbarkeit. Glas lässt sich nahezu unbegrenzt recyceln – vorausgesetzt, es wird getrennt erfasst. Für Gewerbetreibende bieten wir mit der Glasabholung eine effiziente Lösung, um größere Mengen Altglas direkt am Standort zu sammeln und hochwertig in den Stoffkreislauf zurückzuführen.

Für private Haushalte steht im gesamten Berliner Stadtgebiet ein dichtes Netz an Glasiglus zur Verfügung. Die Entsorgung dort ist kostenfrei und erfolgt im Auftrag der Dualen Systeme Deutschland. Eine saubere Trennung nach Weiß-, Braun- und Grünglas verbessert die Qualität des Recyclings und erhöht die Wiederverwertungsquote.

Mehrweg zurückgeben, Wertstoffe sauber trennen und Entsorgungswege korrekt nutzen – mit diesen Schritten leisten Haushalte und Gewerbe einen direkten Beitrag zu einer ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft.