Müll zu vermeiden und nachhaltig zu leben ist schon anspruchsvoll, wenn man nur für sich selbst sorgen muss. Mit einem Baby oder Kleinkind ist ein Zero-Waste-Lebensstil eine echte Herausforderung. Doch es ist möglich, hier und da Abfall einzusparen – und zwar ohne dass es den Kleinen an etwas fehlt. Wir geben Ihnen zehn Tipps für Nachhaltigkeit mit Baby und Kleinkind plus ein paar Ideen für Nachhaltigkeit im Kindergarten.

Mutter mit KindIn den ersten Monaten und Jahren mit Kindern fällt normalerweise viel Müll an: Verpackungen von Babynahrung, Feuchttücher und natürlich eine Menge Windeln.Nach Angaben von Windelherstellern sind es im Durchschnitt bis zu acht Windeln pro Tag. Insgesamt (ver-)braucht ein Kind im Schnitt 4.000 Windeln, bis es sauber ist. Hinzu kommt Kleidung, die nicht mehr passt und Spielzeug, das kaputt ist oder nicht mehr benötigt wird. Zusammengenommen ist das enorm viel Abfall – daraus ergibt sich aber auch ein großes Potenzial, Müll einzusparen.

Den Alltag als Familie nachhaltig zu gestalten, braucht etwas Vorbereitung und die eine oder anderen Investition. Für frisch gebackene – und übernächtigte – Eltern kann das eine Herausforderung sein. Zero Waste mit Baby oder Kleinkind birgt aber auch Vorteile, und zwar zusätzlich dazu, dass man den Planeten schützt:

1.    Das Baby kommt weniger mit Plastik und Chemikalien in Kontakt.
2.    Die Familie spart Geld.
3.    Die Eltern haben insgesamt weniger Dinge in der Wohnung und können leichter Ordnung halten.

Wir haben zehn Ideen zusammengestellt, mit denen junge und werdende Eltern das erreichen können.

Zero Waste Tipp 1: Nachhaltig wickeln

Nachhaltige WindelnEltern haben drei Möglichkeiten, einen riesigen Berg an Windeln zu vermeiden, zu reduzieren oder zumindest nachhaltiger zu gestalten:

  • Ökowindeln verwenden

Sogenannte Öko- oder Biowindeln sind Einwegwindeln, die ganz oder zum Teil aus biologisch abbaubaren Materialien bestehen. Manche sind sogar kompostierbar. Viele Hersteller nutzen nachwachsende Rohstoffe oder vermeiden Duft- und andere chemische Stoffe. Ökowindeln sind also auch Wegwerfprodukte und damit keine Zero-Waste-Lösung für Babys. Unterm Strich sind sie aber nachhaltiger als herkömmliche Windeln. Oft sind sie aber auch etwas teurer. Um das passende Produkt zu finden, können Mütter und Väter sich an Ökosiegeln orientieren. Ein Anbieter für nachhaltige Einwegwindeln ist zum Beispiel die Fairwindel, die zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird und dadurch vollständig biologisch abbaubar ist. Weitere Hersteller für Ökowindeln wurden in diesem Test auf ihre Alltagstauglichkeit getestet.

  • Stoffwindeln verwenden

Deutlich weniger Müll fällt an, wenn frisch gebackene Mütter und Väter ihre Babys mit Stoffwindeln wickeln. Hier sind verschiedene Systeme erhältlich. Weggeworfen werden müssen maximal Vlies-Einlagen. Die Windeln selbst sind waschbar.

  • Abhalten

Das Baby abzuhalten ist zwar etwas aufwendig, vor allem nachts – dafür fällt aber auch gar kein Müll an.

Zero Waste Tipp 2: Feuchttücher selbst machen

Badezimmer UtensilienDen zweitgrößten Anteil an Baby-Müll dürften Feuchttücher ausmachen. Auch hierfür gibt es eine nachhaltige Alternative: Baumwolltücher und warmes Wasser. Die Tücher wandern danach einfach in die Waschmaschine. Eltern gehen damit einen wichtigen Schritt hin zur Nachhaltigkeit mit Baby und ersparen ihren Kleinen gleichzeitig einiges an Chemie.

Zero Waste Tipp 3: Pflegeprodukte ersetzen

Wer Baby-Pflegeprodukte durch natürliche Mittel ersetzt, reduziert ebenfalls den Müll in der Mülltonne und die Chemie auf der Haut der Kleinen. Denn selbst ökologische Babyprodukte brauchen eine Verpackung – und die landet irgendwann im Müll. Zum Baden genügt zum Beispiel warmes Wasser und ein pflanzliches Öl wie Kokosöl. Manche Mütter verwenden auch etwas Muttermilch als Badezusatz.

Zero Waste Tipp 4: Babynahrung selbst machen

Babynahrung selbstgemachtSuper- und Drogeriemärkte bieten ein großes Sortiment an Babygläschen an. Babybrei aus Obst oder Gemüse lässt sich aber leicht selbst machen. Brei wird zwar in Gläsern verkauft und diese können über die Glasentsorgung recycelt werden. Dennoch sind sie letztlich Abfall, den man für einen Zero-Waste-Lifestyle mit Baby vermeiden kann.

Zero Waste Tipp 5: Kleidung secondhand kaufen

Babys und Kleinkinder wachsen sehr schnell – kaum passt der kleine Pullover, ist das Kind schonwieder herausgewachsen. Deshalb lohnt es sich meist nicht, jedes Mal neue Kleidung zu kaufen, auch wenn es ökologische Babysachen sind. Denn jede neue Anschaffung ist früher oder später Abfall. Deshalb sollten Sie schon für die Kleinsten auf nachhaltige Mode achten. Ökologischer ist es zudem, Kleidung für die Kinder gebraucht zu kaufen oder sie sich von Freunden oder Verwandten mit Kindern zu leihen. Auf einem der zahlreichen Kinder- und Babyflohmärkte in Berlin lassen sich ebenfalls echte Schnäppchen in gutem Zustand und für wenig Geld gebraucht kaufen.

Zero Waste Tipp 6: Sparen beim Spielzeug

spielende KinderAuch Spielzeug kann man gebraucht kaufen. Überhaupt kann es sich lohnen, erst einmal nur wenig zu kaufen. Gerade kleine Kinder spielen gerne mit Alltagsgegenständen – hierfür eignen sich zum Beispiel Töpfe und Kochlöffel, um Küchenmusik zu spielen. Aber auch Wäscheklammern, Plastikflaschen, gesammelte Kastanien oder Zeitungen können als Spielzeuge umfunktioniert werden. Und dann bekommen Kinder ja noch das eine oder andere Geschenk von Verwandten und Freunden.

Lese-Tipp: Auch die Themen Abfallvermeidung und Recycling können im Spiel beigebracht werden – hierfür benötigt es ebenfalls keine neuen Anschaffungen. Wie das möglich ist, erfahren Sie in unserem Blogbeitrag „10 Ideen, um Kindern spielerisch Mülltrennung und -vermeidung beizubringen“.

Zero Waste Tipp 7: Kindermöbel gebraucht (oder gar nicht) kaufen

Was für Kleidung gilt, gilt in gewissem Sinne auch für Kindermöbel: Wachsen die Kleinen heraus, sind sie nicht mehr zu gebrauchen und landen im schlimmsten Fall auf dem Sperrmüll. Im besseren Fall landen sie auf dem Flohmarkt. Vielleicht braucht man sie aber auch gar nicht. Wie die Familie am besten schläft und wo das Kleinkind am liebsten spielt, stellt sich meist erst mit der Zeit heraus.

Zero Waste Tipp 8: Waschbare Stilleinlagen verwenden

Stillen ist die natürlichste Art, ein Neugeborenes zu füttern. Auch mit Blick auf die Nachhaltigkeit mit Baby gibt es fürs Stillen volle Punktzeit. Mütter, die Stilleinlagen verwenden, können Einmaleinlagen nutzen. Oder aber waschbare Stilleinlagen aus natürlichen Materialien, die immer wieder verwendet werden können – Zero-Waste für Fortgeschrittene.

Zero Waste Tipp 9: Nachhaltige Verpackungen verwenden

Nachhaltige LunchboxWer Kinder plastikfrei erziehen möchte, verzichtet auch beim Essen unterwegs auf Einwegverpackungen. Bäckereitüten und Plastikbeutel sind praktisch, mit einer Zero-Waste-Baby-Erziehung aber nicht vereinbar. Edelstahl-Boxen oder Wachstücher können nicht nur den Proviant von Mama und Papa transportieren, sondern zum Beispiel auch Gemüse und Obst für das Baby oder Kleinkind. Es sind auch spezielle Trinkflaschen aus Edelstahl für Babys erhältlich.


Zero Waste Tipp 10: Schnuller vermeiden

Viele Kinder schlafen gerne mit Schnuller ein – und später fällt es ihnen schwer, sich den Schnuller wieder abzugewöhnen. Dieses Drama und den Plastikmüll können Eltern sich und der Umwelt ersparen, wenn sie das Kind gar nicht erst an einen Schnuller gewöhnen. Geht es nicht ohne, können sie auf Schnuller aus nachwachsenden Rohstoffen, etwa Naturkautschuk, zurückgreifen.

Bonus-Tipp: Nachhaltigkeit im Kindergarten: Ideen für Kinder von drei bis sechs Jahren

Kind auf FahrradWas mit Blick auf Nachhaltigkeit bei Babys und Kleinkindern funktioniert, ist natürlich auch bei etwas älteren Kindern möglich: An Spielzeug, Kleidung und Büchern nur das Notwendige kaufen. Was man kaufen möchte auch mal secondhand besorgen. Und Snacks für Kita und Kindergarten in nachhaltigen Verpackungen verstauen. Eltern können zudem plastikfrei Kindergeburtstag feiern. Nachhaltigkeit im Kindergarten bedeutet auch, die Kinder, wenn möglich, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln anstatt mit dem Auto hinzubringen.

Diese Tipps können Anregung und Startpunkt für alle sein, die mit Baby Zero Waste ausprobieren oder weiterführen möchten. Wichtig ist aber auch: Perfektionismus ist hier fehl am Platz. Ein kleines Kind zu versorgen ist Herausforderung genug – und wenn es besonders hektisch wird, kann man ruhig mal auf Wegwerfprodukte zurückgreifen. Kleine Schritte sind besser als nichts. Letztlich hilft schon jede eingesparte Windel und jedes weitergegebene Kleidungsstück dem Planeten. Eltern müssen sich keinesfalls (auch noch) hier unter Druck setzen – sondern ausprobieren, welche Zero-Waste-Tipps zu Ihnen passen.

 

Bildnachweise:

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