Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft

Die Gebäude der Zukunft sind grün und nachhaltig: Das ist die Meinung vieler Experten und es ist auch notwendig, damit wir die Klimaschutzziele der Bundesregierung erreichen. Sie sehen bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand vor. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen die wichtigsten Änderungen und die interessantesten Ideen für mehr Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft.

Immobilienkäufer achten beim Haus- oder Wohnungskauf verstärkt auf Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit. Das zeigt eine Umfrage des Immobilienportals McMakler, das Immobilienmakler nach ihren Erfahrungen befragt hat. Demnach geben knapp die Hälfte der befragten Makler an, dass das Thema „umweltgerechtes Wohnen“ bei Immobilienkäufern eine immer größere Rolle spiele.

Phase Nachhaltigkeit: Architekten und Interior Designer für mehr Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft

nachhaltige ArchitekturWie kann die Branche also insgesamt umweltverträglicher werden? Besonders wichtig ist, dass Architekten und Innenarchitekten die Umweltverträglichkeit eines Gebäudes schon bei der Planung berücksichtigen. Ob ein Gebäude als nachhaltig gilt, hängt neben der Energieeffizienz unter anderem von Faktoren wie dem Umgang mit Ressourcen, dem Flächenverbrauch, der Schadstoffbelastung sowie der Langlebigkeit ab.

Damit Gebäude häufiger von Anfang an nachhaltig konzipiert werden, hat sich eine Gruppe Architekten, Innenarchitekten und Fachplaner zur Initiative „Phase Nachhaltigkeit“ zusammengeschlossen. Die Mitglieder verpflichten sich, ihre Projekte umweltverträglich zu planen und sich dabei an der eigens aufgestellten „Deklaration Nachhaltigkeit“ zu orientieren. Die Deklaration umfasst Aspekte wie: Bewahrung der Artenvielfalt, hohe gestalterische Qualität von Quartieren und Förderung von Mehrfachnutzung. Bislang haben mehr als 150 Architektur- und Innenarchitekturbüros die Deklaration unterzeichnet.

Von Düsseldorf bis Singapur: In diesem Artikel zeigen wir Ihnen grüne Gebäude aus aller Welt.

Innovative Baumaterialien für nachhaltiges Bauen

Ein weiterer Ansatzpunkt, um Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft voranzutreiben, ist die Wahl der Baumaterialien. Auf der ganzen Welt arbeiten Wissenschaftler, aber auch innovative Startups an den Baustoffen von morgen:

  • Carbonbeton: Die nachhaltige Alternative zu Stahlbeton

umweltschaedlicher BetonBeton ist einer der weltweit meistgenutzten Baustoffe, hat aber gleichzeitig eine sehr schlechte Umweltbilanz. Bei seiner Herstellung fallen große Mengen CO2 an: Sie sorgt für fünf Prozent des weltweiten Ausstoßes des Klimagases.

Ein Wissenschaftler-Team der TU Dresden hat mit dem sogenannten Carbonbeton nun eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichem Beton entwickelt.

Bei herkömmlicher Stahlbeton-Bauweise werden große Mengen Beton benötigt, um den eingegossenen Stahl vor Rost zu schützen. Carbonbeton besteht hingegen aus Beton und Kohlenstofffasern (Carbon). Diese rosten nicht, sind gleichzeitig aber sehr stabil. Somit genügen deutlich kleinere Mengen, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Laut Forschern der TU Dresden sorgt alleine diese Umstellung für eine CO2-Einsparung von etwa 70 Prozent.

Carbonbeton ist zudem auch deutlich leichter als herkömmlicher Beton. Damit ergeben sich für Architekten viele neue gestalterische Möglichkeiten. Das erste Haus, das komplett aus Carbonbeton besteht, wird derzeit in Dresden gebaut und soll im Frühjahr 2022 fertig sein.

  • Hanfziegel: Nachwachsender Rohstoff für Wärme- und Schallschutz

Hanfziegel für nachhaltige ImmobilienHanffasern sind nicht nur ein hervorragender Rohstoff für nachhaltige Verpackungsmaterialien, sie können auch eine gute Grundlage für nachhaltige Baustoffe bilden: Verbunden mit Kalk können sie zu Ziegeln gepresst werden. Die daraus entstehenden Hanfsteine sind nicht nur langlebig, sie sorgen auch für eine sehr gute Wärme- und Schalldämmung. Der Baustoff ist zudem komplett wiederverwertbar.

Ein weiterer Vorteil: Hanf muss nicht aus Übersee importiert werden, da er in Europa wächst – und das sehr schnell. Die Pflanzen wachsen bis zu fünfzig Mal schneller als Holz. Experten haben berechnet, dass auf einem Hektar Fläche innerhalb von fünf Monaten genug Hanf wachsen kann, um ein Einfamilienhaus aus Hanfsteinen zu bauen. Hanffasern fallen zudem als Abfallprodukt an, wenn Nutzhanf zu Kleidung oder Kosmetik verarbeitet wird.

In Bisceglie in Süditalien wurde bereits ein mehrstöckiges Mehrfamilienhaus aus diesem Rohstoff errichtet und 2016 mit dem Green Building Construction Award prämiert.

  • Holzbauweise und Hybridbauweise: Comeback des Baustoffs Holz

Nachhaltiges HolzhausHolz ist der nachhaltigste Baustoff, den wir kennen. Seit einigen Jahren entdecken Architekten und Baufirmen auf der ganzen Welt ihn wieder neu und errichten sogar Hochhäuser, die komplett aus dem nachwachsenden Rohstoff bestehen. Auch die sogenannte Holzhybridbauweise erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Dabei bestehen das Fundament, die Innenwände, die Decken und die Treppenhäuser aus Beton und die Außenwände aus Holz. Holzhybridhäuser vereinen die Vorteile beider Baustoffe: Sie sind preiswerter als reine Holzhäuser und gleichzeitig deutlich nachhaltiger als klassische Betongebäude. Oft sind sie auch schneller fertig, da Beton relativ lange zur Trocknung benötigt. Die Holzbauteile können vorgefertigt und auf der Baustelle in kurzer Zeit montiert werden.

Wie Sie selbst ökologisch bauen oder Ihre Immobilie sanieren können, zeigen wir Ihnen in diesem Artikel.

Der grüne Mietvertrag: Bestandsgebäude nachhaltig nutzen

nachhaltige ImmobilieAndere Akteure der Branche setzen hierzulande im Bestand auf nachhaltig gestaltete Mietverträge – das sogenannte „Green Lease“.  Eine interdisziplinäre Projektgruppe hat 50 Regelungsempfehlungen für einen grünen Mietvertrag entwickelt. Das Regelwerk richtet sich gleichermaßen an Mieter und Vermieter und soll sie dabei unterstützen, Gebäude umweltverträglich zu nutzen und zu bewirtschaften. Neben den üblichen mietrechtlichen Regelungen können Mieter und Vermieter in einem grünen Mietvertrag unter anderem folgendes vereinbaren:

  • umweltfreundliche Baukonzepte
  • Bezug von Energie aus nachhaltigen Quellen
  • eine umweltverträgliche Reinigung des Gebäudes, zum Beispiel mit ökologischen Reinigungsmitteln
  • ein Konzept zur Abfallminimierung und Müllraumplanung
  • die Bewässerung der Außenanlagen durch Regenwasser

Neues Leben für Bauschutt: Gesetz soll Recycling von Baustoffen vereinfachen

Bauschutt recyceln60 Prozent des in Deutschland anfallenden Mülls sind sogenannte mineralische Abfälle. Dazu zählen Bauschutt, Schlacken aus der Metallerzeugung, Gleisschotter oder ausgehobene Erde. Rund 250 Millionen Tonnen kommen davon jedes Jahr zusammen. Damit diese Abfälle künftig leichter recycelt und zu einem möglichst großen Anteil wiederverwendet werden können, hat die Bundesregierung die Mantelverordnung für Ersatzbaustoffe und Bodenschutz beschlossen.

Eine Mantelverordnung umfasst mehrere aufeinander abgestimmte Verordnungen. Ersatzbaustoffe sind jene Baustoffe, die aus mineralischen Abfällen hergestellt werden. Die Mantelverordnung regelt, wie diese Baustoffe hergestellt und verwendet werden dürfen und legt Standards fest. Damit soll es für private wie professionelle Bauherren leichter werden, geprüfte Ersatzbaustoffe zu verwenden. Mit der Mantelverordnung werden dafür erstmals bundesweit einheitliche Regelungen gelten – zuvor hatte jedes Bundesland seine eigenen Gesetze. Sie tritt 2023 in Kraft.

Im Idealfall können alle Baustoffe und Bestandteile eines Gebäudes recycelt und wiederverwertet werden. Das Gebäude entspricht dann dem Kreislauf-Prinzip, auch „Cradle to Cradle®“ genannt. Wie dieses Konzept in der Immobilienwirtschaft Anwendung findet und welche Gebäude es bereits umsetzen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Und nun möchten wir von Ihnen wissen: Was halten Sie von diesen Ideen? Würde Sie in ein Haus aus Hanfziegeln einziehen? Oder haben Sie vielleicht von anderen Ideen oder Initiativen für mehr Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft gehört? Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

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Bildnachweise

© Vorschau- und Header-Bild: Sergey Nivens / stock.adobe.com

© Glühbirne mit Skizzenblock: makistock / stock.adobe.com

© Baum mit Grün und Beton: adcdsb / stock.adobe.com

© Hanfblätter auf Ziegeln: katja kodba / stock.adobe.com

© Holzhaus: Jodie Johnson / stock.adobe.com

© Architekten auf Immobilie im Grünen: rh2010 / stock.adobe.com

© Grüner Pfeil auf Bauschutt: Francesco Scatena / stock.adobe.com