Glas ist einer der ältesten Rohstoffe der Menschheit. Fast genauso alt ist auch die Idee, Glas zu recyceln. Bereits in der Antike wurden Glasscherben für die Produktion von neuem Glas verwendet. Die Methoden von damals wurden über die Jahrtausende verbessert. Heute ist das Glasrecycling ein gut getimter Vorgang. Welche Schritte das Recycling umfasst und wie genau die Wiederverwendung abläuft, erfahren Sie in diesem Artikel.

Kennzahlen zum Glasrecycling

In Deutschland wurden im Jahr 2017 gut 7,5 Millionen Tonnen Glas produziert. Die wichtigsten Produktgruppen sind dabei Behälterglas (Flaschen, Gläser und sonstige Glasverpackungen) mit 53,1 % Anteil, gefolgt von Flachglas mit 28 %. Weiterhin werden größere Mengen an Glas- und Steinwolle produziert. Etwa 5 % entfallen auf Spezialgläser, die für konkrete Anwendungen entwickelt werden. [1]

Sowohl Flach- als auch Verpackungsglas verfügen über eine ähnliche Zusammensetzung. Deshalb kann für die Produktion eine große Menge an Altglas eingesetzt werden. Durch den Einsatz von Glasscherben verbraucht die Produktion neuer Glasbehälter weniger Energie. Pro Anteil an Altglas in der Glasschmelze sinkt der Energiebedarf um etwa 0,2 bis 0,3 Prozent. [2] Hinzu kommt, dass mit dem Einsatz von Altglas der Bedarf an Primärrohstoffen sinkt. Weil die Primärrohstoffe größtenteils im Bergbau gewonnen werden, kann durch das Glasrecycling der Naturraum geschützt werden. Glasrecycling leistet damit einen Beitrag, die Umwelt zu schonen und nachhaltigen Konsum zu ermöglichen. Weil Glas beliebig oft wieder eingeschmolzen werden kann, besteht somit ein großes Potenzial für den Umweltschutz.

Die Recyclingquote von Glas lag 2015 bei 85 %. [3] Damit ist die Verwertungsquote für Glasbehälter an der Spitzenposition: Kein Rohstoff weist höhere Quoten auf. 

Geschichte des Glasrecyclings in Deutschland

Dass diese Zahlen so eine deutliche Sprache sprechen, liegt zum Teil daran, dass in Deutschland seit 1974 ein Sammelsystem für Altglas besteht. Denn damit ein Recyclingkreislauf perfekt funktioniert, ist das Zusammenspiel von Verbrauchern, Entsorgern und Industrie notwendig. Durch die über 40-jährige Erfahrung mit dem Glasrecycling funktioniert dieser Kreislauf in Deutschland sehr gut. 

Das Recycling beginnt beim Sammeln von Altglas. Hier gibt es ein flächendeckendes Netz von Altglascontainern, bei denen Grün-, Braun- und Weißglas eingeworfen werden können. Etwa 250.000 Altglascontainer sind bundesweit aufgestellt. In Berlin sorgt Berlin Recycling für die Altglasentsorgung. Bei 5.000 Glasiglus im Stadtgebiet befindet sich auch eins in Ihrer Nähe.

Der Glaskreislauf

Damit die hohen Recyclingquoten erreicht werden, ist die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure notwendig: 

  • Verbraucher 
  • Entsorger
  • Industrie

Dazu hat das Recycling verschiedenen Stufen:

  • Sammlung
  • Sortierung 
  • Verarbeitung 

Damit aus alten Glasscherben neue Glaswerkstoffe hergestellt werden können, sind also viele Arbeitsschritte notwendig. Wir gehen auf die einzelnen Phasen des Recyclings genauer ein.

Sammlung von Altglas

Damit das Altglas verwertet werden kann, muss es zuvor gesammelt werden. Um das Altglas aus Industrie, Gewerbe und Privathaushalten zu sammeln, hat sich ein mehrstufiges System durchgesetzt. In Gewerbe- und Industriebetrieben, bei denen große Mengen an Glasscherben anfallen, findet die Sammlung direkt vor Ort statt. 

Für Privatpersonen stehen Sammelbehälter bereit. Dort wird das Altglas nach Farben getrennt eingeworfen (Grünglas, Braunglas und Weißglas). 

Wussten Sie schon?

Wenn die Glasfarbe nicht in eindeutig einer der drei Kategorien zugeordnet werden kann, werfen Sie es zum Grünglas. Grünglas ist am wenigsten anfällig für Verfärbungen, weshalb dort auch blaue Glasscherbe verarbeitet werden können.

Sortierung von Altglas

Damit aus Glasscherben neues, hochwertiges Glas gewonnen werden kann, ist eine umfangreiche Sortierung notwendig. Das gesammelte Altglas muss nach Farben und Sorten sortiert werden. Im Rahmen der Sortierung erfolgt die Abscheidung von Fremdstoffen wie Deckeln und Verschlüssen sowie glasfremden Werkstoffen (bspw. Keramik und Steingut). 

Eine sortenreine Erfassung des Altglases ist notwendig, um die Qualität des Recyclingglases zu gewährleisten.

Die Sortierung nach Farben ist nötig, um die Farbreinheit zu gewährleisten. Es ist eine Farbreinheit von 97 % erforderlich, um deutliche Verfärbungen auszuschließen. Dazu werden zum einen optoelektronische Verfahren eingesetzt: Die Scherben werden von einer Maschine geprüft. Durch die unterschiedliche Lichtdurchlässigkeit können grüne, braune und weiße Glasscheiben unterschieden werden. Anschließend erfolgt eine weitere Prüfung durch menschliche Fachkräfte.

Damit keine Produktionsausfälle oder Qualitätseinbußen entstehen, müssen verschiedene Fremdstoffe aus dem Altglas ausgeschieden werden. Das sind zum einen metallische Gegenstände (Deckel und Verschlüsse), nicht geeignete Glassorten sowie andere Werkstoffe. Metallische Fremdstoffe können durch einen Magnetabscheider aussortiert werden.

Fremdstoffe wie Keramik und Steingut haben höhere Schmelztemperaturen als Glas. Feine Bestandteile bilden Einschlüsse im Glas, die eine verminderte Stabilität zur Folge haben kann. Diese Fremdstoffe werden über die Handauslese sowie verschiedene Sortiertechniken aus dem Altglas herausgelesen.

Verarbeitung der Altglasscherben

Der überwiegende Teil des Altglases kommt in der Produktion von Behälter- bzw. Flachglas zum Einsatz. Das liegt zum einen daran, dass diese Glassorten den größten Marktanteil haben, zum anderen ist die Zusammensetzung der Rohstoffe in beiden Fällen ähnlich.

Für Behälterglas können bis zu 90 % Glasscherben eingesetzt werden. [4] Das Altglas wird in verschiedenen Körnungen in die Glasschmelze gegeben. Diese erfolgt in Glaswannen, die mit feuerfesten Steinen ausgekleidet sind. Das Altglas wird zunächst auf bis zu 1500 °C erhitzt, damit es schmilzt. Anschließend erfolgt eine Erhöhung der Temperatur auf 1600 °C. Damit wird die Glasschmelze zu einer homogenen Masse. Man nennt diesen Arbeitsschritt Läutern. Anschließend lässt man das Glas auskühlen (auf 1200 °C bis etwa 900 °C), bevor die Verarbeitung erfolgt. 

Flachglas wird im Floating-Verfahren hergestellt. Dort läuft die Schmelze auf einem Endlosband aus flüssigem Zink, wodurch die glatte Fläche entsteht. Nach dem Auskühlen schneidet man Flachglas zu. Weil an Flachglas höhere Qualitätsansprüche angelegt werden als an Behälterglas, kommen viele Glasscherben, die als Abfall anfallen und nicht zum Recycling genutzt werden können, bei der Herstellung von Behälterglas zum Einsatz. 

Für das Recycling ungeeignete Glassorten

Entgegen der landläufigen Meinung ist Glas nicht gleich Glas. Deshalb können nicht alle Glassorten im Glascontainer entsorgt werden. Der Grund liegt in der unterschiedlichen Zusammensetzung der Glasarten. Gerade Spezialgläser wie Ceran, Pyrex, aber auch Labor-, Kristall- oder feuerfestes Glas haben eine andere chemische Zusammensetzung als Verpackungsglas. Sie lassen sich jedoch mit den bisher eingesetzten Verfahren nur schwer aussortieren. Fehlwürfe können daher große Schäden anrichten und ganze Chargen von Recyclingglas unbrauchbar machen. Sie gehören daher nicht in den Glascontainer. Folgende Glassorten sind betroffen:

Nähere Informationen finden Sie in unserem Artikel Was gehört in welche Tonne!

Weitere Fragen zum Glasrecycling

Haben Sie noch Fragen zum Glaskreislauf? Unser Serviceteam ist gern für Sie da. So erreichen Sie uns:

  • telefonisch: (030) 60 97 20 0 (montags bis freitags in der Zeit von 08:00 bis 18:00 Uhr)
  • per E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
  • per Fax: (030) 60 97 20 10

Quellen:

[1] https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/384/bilder/dateien/2_abb_glasproduktion_2020-10-06.pdf

[2] https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/verwertung-entsorgung-ausgewaehlter-abfallarten/glas-altglas#glas-gut-recycelbar

[3] https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/384/bilder/dateien/3_abb_verwertung-behaelterglas_2020-10-06.pdf

[4] Martens, Hans; Goldmann, Daniel: Recyclingtechnik. Fachbuch für Lehre und Praxis. 2. Auflage. Wiesbaden, 2016. S. 341f

Bildnachweise:

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