Sogenannte „grüne“ Startups sind neu gegründete Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell auf einer Idee der Nachhaltigkeit und Umweltschonung aufbauen. Sie machen heute Jahr für Jahr gut 15% aller Neugründungen aus. In ganz Europa entstehen auf diesem Sektor über 100.000 Unternehmen! Solche Größenordnungen kann niemand mehr übersehen, „grüne“ Startups rücken folglich immer stärker in den öffentlichen Fokus. Wir stellen Ihnen fünf nachhaltige Unternehmen vor, die den grauen Alltag bunter und ökologischer machen.

1. „RECUP“ - Mehrweg-Kaffeebecher mit Pfandsystem

RECUP-Kaffee-BecherJährlich werden in Deutschland 2,8 Milliarden Kaffeebecher verbraucht. Ein gigantischer Müllberg von 40.000 Tonnen. Das hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) errechnet. Grund genug, sich Gedanken zu machen, wie diese ungeheure Menge an Müll reduziert werden kann – ohne gleich mit der liebgewordenen Gewohnheit zu brechen, auf dem Weg zur Arbeit oder in der Freizeit rasch noch unterwegs beim Bäcker nebenan einen Kaffee mitzunehmen. Das Team der Münchner reCup GmbH rund um die Gründer und Geschäftsführer Fabian Eckert und Florian Pachaly hat deshalb eine Alternative entwickelt: Ein Pfandsystem für Kaffeebecher. Für eine Pfandgebühr von einem Euro können Kaffeeliebhaber in jedem teilnehmenden Café einen Mehrwegbecher erhalten.

Rabatte für umweltbewusste Kaffeetrinker

Wohin der Weg dann auch führt: Der Becher kann später jederzeit in einem Partner-Café wieder aufgefüllt oder zurückgegeben werden. Der Kaffeeliebhaber erhält sein Geld zurück, reCup oder das angeschlossene Partnerunternehmen (Café, Bäcker oder Imbiss) übernehmen die Reinigung und bringen den Pfandbecher in den Wirtschaftskreislauf zurück. Die Idee breitet sich gerade aus und zahlreiche angeschlossene Coffeeshops und Bäcker bieten ihren Kunden sogar noch einen Rabatt auf den Kaffee, wenn diese ihre wiederverwendbaren Kaffeebecher selbst mitbringen. Welche RECUP-Partner es in Ihrer Nähe gibt, können Sie auf der RECUP-Webseite einsehen – und damit den Kaffee mit Pfandsystem einfach im Alltag integrieren und genießen.

2. Stange-Design: Möbel - nicht von Pappe, aber daraus gemacht

Ein Bett aus Pappe von StangeDas Berliner Unternehmen Stange ist eigentlich schon gar kein Startup mehr, jedoch nach wie vor geprägt von einer innovativen Leitidee. Bereits 1985 kreuzten sich die Wege von Wissenschaft und Wohnwelt. Aus einer Diplomarbeit wurde eine Geschäftsidee: Mobiliar aus Pappe. Das Prinzip ist einleuchtend. Werden Möbel aus Holz, Kunststoff, Metall oder Verbundwerkstoffen gefertigt, dann fallen Ressourcenverbrauch und CO2-Bilanz erschreckend hoch aus. Bei der Herstellung von Wellpappe bleibt die Umweltbelastung bescheiden. Mindestens so erfreulich ist die Vielseitigkeit: Ob Kommode, Regal, Tisch oder Schreibtisch, das Programm von Stange-Design bietet eine Fülle von Möbeln, die flach gefaltet geliefert werden und ohne Werkzeuge in kurzer Zeit aufgebaut werden können. Ein Klassiker ist das Pappbett, das schon 1989 vom Design Center Stuttgart in die deutsche Auswahl zum Designpreis aufgenommen wurde. Beeindruckend auch die Stabilität der Möbel: Das Pappbett hielt bei einem Belastungstest ein Gewicht von mehr als 20 Personen aus und der Papphocker MAKS hat im Stapelstauchtest eine statische Belastung von 1000 kg weggesteckt. Wenn das keine tragfähige Lösung ist!

Umzügen erweisen sich die Möbel besser gewachsen als die skandinavische Konkurrenz: Sie sind überaus transportfreundlich und platzsparend, weil sie leicht zusammengefaltet werden können. Ganz wichtig und praktisch der entscheidende Qualitätsfaktor: Die Pappe, die verwendet wird, ist keine gewöhnliche Pappe, wie man sie von Verpackungen kennt. Das Material wird präzise nach den Wünschen des Möbelherstellers angefertigt, und das basiert auf reichlich Erfahrung und Wissen. Die Produktion erfolgt im eigenen Hause, sodass die ständige Kontrolle der Qualität gewährleistet ist. Merke: Möbel von Stange-Design sind keine Möbel von der Stange.

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3. „Bio-Lutions“ - (Öko-)Logisch: Verpackungen werden kompostierbar

Bio-Lutions VerpackungDas grüne Startup Bio-Lutions wurde bereits im vergangenen Jahr mit dem deutschen Verpackungspreis und einem Innovationspreis („Bio-based Material of the Year“) prämiert. Ausgezeichnet! Aber worum handelt es sich? Auch bei diesem Produkt steckt die Erklärung, wie dem bestehenden Problem zu Leibe gerückt wird, bereits im Namen: Eine biologische Lösung eben. Styroporschälchen und Plastikfolien sind beides hartnäckige und zähe Umweltfeinde bei der Zersetzung, und bei der energetischen Verwertung, d.h. Verbrennung, entstehen giftige Gase, die neue Probleme schaffen. Mit der Tatsache, dass Verpackungsmüll aus Kunststoff zu einem immer größeren Umweltproblem wird, wollten sich die beiden Hamburger Gründer Eduardo Gordillo und Stefan Dircks partout nicht abfinden. Sie entwickelten eine Verpackung (etwa für Tomaten) u.a. aus Tomatenpflanzen. Bei dem Verfahren werden Pflanzenreste wie Bananenstämme, Tomatenpflanzen, Reis- und Weizenstroh oder Ananassträucher erst getrocknet, dann zu Mikro- und Nanofasern zerkleinert. Schließlich bildet sich unter Zugabe von Wasser ein selbstbindender Faserbrei, der sich ohne chemische Bindemittel in verschiedene Formen pressen lässt.

Großes Interesse in Asien

Bio-Lutions ist erst knapp zwei Jahre alt. Dennoch bestehen schon Niederlassungen in Indien, China, Hong Kong und Thailand, demnächst vielleicht auch in Australien. Müllprobleme gibt es eben überall. Gerade in den Emerging Markets wächst deshalb das Interesse an biologisch abbaubarem Einweggeschirr oder Verpackungen für Lebensmittel. Unter Förderung durch die Deutsche Entwicklungs- und Investitionsgesellschaft mbH (DEG) errichtete Bio-Lutions eine Pilotanlage zur Produktion der Bioverpackungen im indischen Bangalore. Bis Ende des Jahres soll die Produktionsfläche auf 1.500 Quadratmeter vergrößert werden. Bis jetzt hat Bio-Lutions neben der Basisversion für Trockengüter noch zwei Verpackungsvarianten entwickelt: Eine durch Lebensmittelzusatzstoffe öl- und wasserbeständige Variante und eine mit Bio-Kunststofffolie für solche Waren, die unbedingt wasserdicht verpackt werden müssen.

4. „Rethink-Resource“ - Wiederverwertung für Industrieabfälle

Bier aus Brot von Damn Good FoodsNoch anspruchsvoller ist das Schweizer Startup Rethink Resource. Es möchte gern für ganz banale Abfälle aus der Industrie, seien es Stanzteile, Papierverschnitt oder sogar Brotreste, einen Wirtschaftskreislauf in Europa entwickeln. Das Prinzip ist einfach, wenn der Blickwinkel geändert wird, aus dem die Dinge betrachtet werden. Plötzlich erkennt man Sekundärrohstoffe an Stelle von überflüssigen Resten, Müll oder Unrat. Denn Müll ist das, was dort ist, wo es nicht hingehört. Heißt: An anderer Stelle kann der gleiche Gegenstand plötzlich Sinn und Zweck bekommen.

Angebote und Bedürfnisse auf einen Nenner bringen

Das grüne Startup Rethink Resource sieht sich dabei als Beratungsunternehmen: Die Schweizer kooperieren mit der Abfallwirtschaft, identifizieren den Nutzen von Nebenprodukten und kümmern sich um alternative Bezugs- und Absatzkanäle. Dafür, dass Unternehmen bewusster und nachhaltiger mit den von ihnen verwendeten Materialien verfahren, sprechen neben der Kostenreduzierung auch der sparsamere Umgang mit den Ressourcen und der viel geringere Anfall von Müll.

Daneben arbeitet Rethink Resource bereits an einer ganz neuen Plattform, die branchenübergreifend produzierende und verarbeitende Unternehmen zusammenbringt, um Sekundärrohstoffe zu handeln. Das Portal richtet sich vor allem an die Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Es soll jedoch nach und nach auf weitere Wirtschaftszweige ausgedehnt werden.

5. „Sunny Bag“ - Umhängetasche voller Energie

SunnyBag erzeugt SolarstromVon völlig anderer Art ist wiederum das fünfte heute vorgestellte Startup. Es wendet sich mit der Idee eines SunnyBag direkt an den Endverbraucher, der mobil und dort unterwegs ist, wo nicht unbedingt immer die passende Steckdose (z.B. zum Aufladen des Mobiltelefons) zur Verfügung steht. SunnyBag erzeugt modische Umhängetaschen, wie sie heute viele Menschen ohnehin bei sich tragen. Die Taschen haben es aber in sich oder vielmehr: an sich. Der Pfiff: Ein SunnyBag verfügt an der äußeren Seite über elastische und wasserfeste Solarpaneele. Über diese wird, sogar bei Regenwetter, ein mitgelieferter Hochleistungs-Akku aufgeladen. Der Akku besitzt zwei USB-Ausgänge. Über diese Ausgänge können nicht bloß Mobiltelefone, sondern auch mp3-Player, Tablets oder Navigationsgeräte aufgeladen werden – mit dem frisch produzierten Naturstrom, versteht sich.

Kooperation mit Helfern zählt zur Unternehmensphilosophie

Das im österreichischen Graz angesiedelte Unternehmen löst auf diese Weise so nicht nur das Alltagsproblem des leeren Handy-Akkus, sondern kann im Einsatz in Krisengebieten sogar zum Lebensretter werden. Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen zählen seit Beginn zu den Kooperationspartnern von SunnyBag. Durch den Einsatz in Krisenregionen können so die Funktionen der Taschen unter Extrembedingungen getestet werden. Mit Hilfsorganisationen zu kooperieren, zählt für das 2010 gegründete Unternehmen, das seither eine Reihe von Prototypen entwickelt hat, zur Unternehmensphilosophie. Nicht nur in unwirtlichen Gebirgsregionen, auch in Gegenden, die bis heute ohne Stromnetz auskommen müssen (beispielsweise in manchen afrikanischen Gebieten) sorgt SunnyBag für die Möglichkeit, etwa Laptops oder Defibrillatoren fernab der Zivilisation zu laden.

Fazit:

Na, ein Aha-Erlebnis gehabt? Eigentlich sind die hier exemplarisch präsentierten Ideen ebenso großartig und genial – wie einfach und naheliegend. Und es sind ja bloß fünf von ungeheuer vielen Produktinnovationen, die für Nachhaltigkeit und eine bessere, lebenswertere Umwelt stehen. Gute Einfälle, die teils wir als Verbraucher und Käufer direkt umsetzen können, teilweise aber auch die Produzenten und die Industrie herausfordern. Jeder weiß, wir sind heutzutage in einem nie dagewesenen Ausmaß mobil – warum sind wir es nicht auch im Denken? Vielleicht ist das ein oder andere grüne Startup auch für Ihren Alltag geeignet. Sie kennen bereits eines der genannten nachhaltigen Unternehmen? Dann freuen wir uns über Ihr Feedback. Oder wissen Sie über ein weiteres grünes Startup, dass mehr Bekanntheit erlangen sollte? Dann schreiben Sie uns einen Kommentar unter diesem Beitrag – wir freuen uns auf Ihr Echo!

Bildnachweise

© Vorschau- und Headerbild: Photographee.eu / stock.adobe.com

© RECUP-Kaffee-Becher: reCup GmbH / recup.de

© Bett aus Pappe: Stange Design GmbH / stange-design.de

© Verpackung aus Tomaten: BIO-LUTIONS International AG / bio-lutions.com

© Bier aus Brot: Damn Good Food & Beverages AG / breadbeer.ch

© SunnyBag: SunnyBAG GmbH / sunnybag.at